Kompass


Kompass
Bussole (österr.)

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Kom|pass ['kɔmpas], der; -es, -e:
Gerät zur Bestimmung der Himmelsrichtung:
sich mithilfe eines Kompasses im Wald orientieren; die Nadel seines Kompasses zeigte nach Norden.

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Kọm|pass 〈m. 1Gerät zum Bestimmen der Himmelsrichtung mithilfe eines Magneten [<ital. compasso „Zirkel, Magnetnadel, Bussole“; zu compassare „abschreiten, abmessen“]

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Kọm|pass , der; -es, -e [spätmhd. compas < ital. compasso, zu: compassare = ringsum abschreiten, abmessen, über das Vlat. zu lat. passus = Schritt]:
Gerät zum Bestimmen der Himmelsrichtung [mithilfe eines Magneten]:
nach dem K. marschieren.

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I
Kọmpass
 
[italienisch, zu compassare »ringsum abschreiten«, »abmessen«, von lateinisch passus »Schritt«] der, -es/-e, Instrument zum Bestimmen der Himmelsrichtung, wobei v. a. Magnetkompass und Kreiselkompass von Bedeutung sind. - Der Magnetkompass nutzt die vom Erdmagnetismus ausgehende, auf einen Magneten ausgeübte Richtkraft, die die Magnetnadel oder eine bewegliche Magnetspule (gleichstromdurchflossene Spule mit Weicheisenkern) fast überall auf der Erde (ausgenommen sind die Polargebiete) in den magnetischen Meridian, d. h. in die magnetische N-Südrichtung, einstellt. Man unterscheidet Trockenkompasse, die bei geringem Gewicht eine hohe Empfindlichkeit besitzen, und Schwimmkompasse (Fluidkompass), die besonders in der See- und Luftfahrt verwendet werden. Bei kleineren Kompassen ist für die Richtungsanzeige die auf einer feinen Spitze (Pinne) sitzende Nadel über der Kompassrose, einer mit Markierungen für die Himmelsrichtungen und einer Skala für weitere Unterteilungen des Vollkreises versehenen runden Scheibe, von Bedeutung. Bei größeren Kompassen sind meist mehrere Magnetnadeln (stabförmige Permanentmagnete) an der Unterseite der Kompassrose angebracht, die sich, auf einer Pinne drehend, selbst in den magnetischen Meridian einstellt. Beim Schwimmkompass ist die Rose innerhalb des Kompasskessels als Schwimmkörper gebaut, der in einem Wasser-Alkohol-Gemisch mit nur geringem Auflagedruck auf der Pinne ruht. In größeren Schiffskompassen wird der Kompasskessel kardanisch in einem Kompasshaus aufgehängt, das auch die Einrichtungen zum Kompensieren der Deviation, der Ablenkung der Magnetnadel durch magnetische Störfelder des Schiffes, enthält (Kompensator). Eine Sonderform des Magnetkompasses mit Magnetspule ist der Induktionskompass, der aus einer Spule besteht, die schnell um eine im Raum frei schwenkbare Achse rotiert und nach dem Induktionsgesetz keine Spannung abgibt, wenn die Rotationsachse mit dem magnetischen Meridian zusammenfällt. Die Messwerte werden elektrisch auf ein Anzeigegerät (z. B. im Cockpit eines Flugzeuges) übertragen. Steuerkompasse werden zum Kurshalten, Peilkompasse zur Ortsbestimmung verwendet. Auf großen Schiffen wird oft an magnetisch günstiger Stelle ein Regelkompass (Mutterkompass) aufgestellt und zur Steuerung der Anzeige von Tochterkompassen an den Peil- und Steuerstellen benutzt. Peilkompasse enthalten einen Peilaufsatz, durch den unmittelbar oder mit Zielfernrohr das Objekt anvisiert und die Peilung von der Kompassrose durch Spiegelung abgelesen wird. Ein einfacher und typischer Peilkompass ist der von Wanderern und beim Militär verwendete Marschkompass. Mit dem Aufkommen der modernen Navigationsgeräte ist die Bedeutung der Magnetkompasse gesunken. Infolge der unbekannten magnetischen Störungen, die im Fahrzeug und im Erdmagnetfeld auftauchen können, sind die Fehler von Magnetkompassen so groß, dass diese oft nicht mehr als primäres Navigationsgerät infrage kommen, sondern nur noch (wegen ihrer hohen Ausfallsicherheit) als Reservegeräte.
 
Der Kreiselkompass nutzt die Erdrotation zum Aufsuchen der Nordrichtung: Ein mit etwa 20 000 U/min rotierender axialsymmetrischer Kreiselkörper ist so aufgehängt, dass seine Drehachse in die Horizontalebene gezwungen wird. Aufgrund der Kreiselgesetze versucht die Drehachse (bei ruhendem Fahrzeug), sich parallel zur Erdrotationsachse zu stellen. Wegen ihrer Fesselung in die Horizontalebene kann sie sich jedoch nur parallel zu dem Anteil der Erddrehgeschwindigkeit stellen, der in diese Ebene fällt. Dies führt dazu, dass die Drehachse, abgesehen von den Polgegenden, an jedem Punkt der Erde die geographische Nordrichtung anzeigt. Bei bewegtem Fahrzeug tritt infolge der Coriolis-Kraft der »Fahrtfehler« auf, der jedoch gut korrigierbar ist. Zur Erhöhung der Genauigkeit und zwecks Vermeidung störender Schwingungen wird eine schwimmende Aufhängung und ein System gekoppelter Kreiselrotoren im Kreiselkompass verwendet. Der Aufstellungsort ist meist in der Nähe des Fahrzeugschwerpunktes, da Fahrzeugschwankungen dort am wenigsten stören. Die einwandfreie Funktion der Kreiselkompasse wird oft mit einem Magnetkompass kontrolliert; Schiffe mit Kreiselkompassen müssen mindestens auch einen Magnetkompass besitzen. Häufig an einen Kreiselkompass angeschlossen sind ein Kursschreiber, ein Gerät für das automatische Kurshalten und ein Koppeltisch, der Kurs, Geschwindigkeit und Koppelort aufzeichnet.
 
Kompasse, die dort einsetzbar sind, wo Magnetkompass und Kreiselkompass versagen, also in hohen geographischen Breiten, nutzen entweder die Sonne (Pfundkompass, Sky-Compass) oder auch andere Gestirne (Astrokompass) zum Aufsuchen der Nordrichtung.
 
 
Die ältesten Hinweise auf die Verwendung eines Kompasses in der Seefahrt stammen aus China (um 1100). In Europa findet sich die erste Erwähnung in den Schriften des Engländers Alexander Neckam (* 1157, ✝ 1217). Seine heutige Form erhielt der Kompass im 13. Jahrhundert, angeblich von italienischen Seefahrern aus Amalfi. - Vorläufer eines Kreiselkompasses entwickelte L. Foucault um 1852; den ersten praktisch brauchbaren Kreiselkompass konstruierte Anfang des 20. Jahrhunderts (Patent 1905) H. Anschütz-Kaempfe.
 
 
H.-C. Freiesleben: Gesch. der Navigation (21978);
 W. Linke: Orientierung mit Karte, K. GPS (81996).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
 
Kompass: Die Grundzüge der Navigation
 
II
Kọmpass,
 
Schiffskompass, lateinische Bezeichnung Pỵxis, Abkürzung Pỵx, kleines Sternbild des Südhimmels, in Mitteleuropa an Winterabenden knapp über dem südlichen Horizont sichtbar. In ihm liegt die wiederkehrende Nova T Pyxidis.

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Kọm|pass, der; -es, -e [spätmhd. compas < ital. compasso, zu: compassare = ringsum abschreiten, abmessen, über das Vlat. zu lat. passus = Schritt]: Gerät zum Bestimmen der Himmelsrichtung [mithilfe eines Magneten]: nach dem K. marschieren; Ü sie (= die Heilige Schrift) war ihm der K. in allen Wirrnissen des Lebens (Nigg, Wiederkehr 82); Er hatte den K. für sein künftiges Leben gefunden (Süskind, Parfum 57).

Universal-Lexikon. 2012.

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